Als ich gestern mit einem netten Banker im Zug von Lausanne nach Winterthur ins Gespräch gekommen bin, haben wir uns über unsere Selbstständigkeit ausgetauscht. Der freundliche Mann ist nicht nur ein sehr hohes Tier bei der Bank, er hat auch seine eigene Firma, die Liegenschaften betreut. Er hat sehr ausgeglichen, gelassen und zentriert auf mich gewirkt und das obwohl er bestimmt ganz viel arbeitet. “Der meditiert bestimmt und setzt sich mit Achtsamkeit auseinander…”, hatte ich mir gedacht. Ich lag aber ganz klar daneben, denn für ihn habe ich Chinesisch gesprochen, als ich ihm von meinen Achtsamkeits-Workshops erzählt habe. Er scheint achtsam zu leben, hat aber den Begriff noch nicht gekannt. Einmal mehr habe ich gemerkt, dass ja, der Begriff es sehr wohl auf gefühlt jede zweite Zeitschrift geschafft hat, aber die Bedeutung noch nicht mitgekommen und irgendwo hängen geblieben ist.

Was ist denn Achtsamkeit? Achtsamkeit ist nach Kabat-Zinn (1) eine Form des Bewusstseins des gegenwärtigen Moments ohne ihn zu bewerten. Dieses Bewusstsein fördert die Fähigkeit, auf Erfahrungen zu achten, sie zu akzeptieren wie sie sind und mit diesen Erfahrungen zu arbeiten. Oft können wir einfache Situationen im Alltag nicht so akzeptieren, obwohl sie ja schon da sind. Wie oft haben wir uns grausam über den Stau auf der Autobahn aufgeregt? Geht er so schneller vorbei? Wie oft haben wir uns über einen Fehler aufgeregt, den wir gemacht haben? Kann er durch diese Aufregung wieder rückgängig gemacht werden? Und wie oft haben wir uns über einen verspäteten Zug aufgeregt? Ist er denn durch den inneren Stress schon jemals früher angekommen?

Diese Aufregung ist objektiv gesehen die reinste Energieverschwendung für etwas, was sich nicht ändern lässt. Natürlich kann diese Energie sehr gut kanalisiert werden auf Dinge, die sich ändern lassen. Bei Situationen, die wir nicht ändern können, nutzen wir diese Energie lieber für etwas anderes.

Was passiert denn genau in uns auf der Autobahn, im Zug oder nachdem uns ein Fehler unterlaufen ist? Das sind Gedankengänge, die automatisch ausgelöst werden und Stress verursachen. Gedanken sind keine Tatsachen, sondern Interpretationen von Ereignissen, die eine Vielzahl von Einflüssen widerspiegeln. Und wie können wir auf diese Gedankengänge Einfluss nehmen?

Achtsamkeit! Wenn wir achtsam sind, legen wir bewusst unsere Aufmerksamkeit darauf, die momentane Situation und die Gedanken und Gefühle, die darauf folgen, unvoreingenommen zu akzeptieren. Achtsamkeit fördert die Verarbeitung von mentalen und auch physischen Erfahrungen. Das bedeutet konkret die Verarbeitung von Situationen, in welchen der Zug verspätet ist oder wir Stau auf der Autobahn haben, aber auch physische Erfahrungen wie Bauchschmerzen.

Das Ziel ist es, die Fähigkeit zu entwickeln, negative Gedanken, Gefühle und Empfindungen als momentane Objekte des Gewahrseins zu erkennen und anzuerkennen. Das bedeutet, dass ich zwar erkenne, dass ich im Stau bin und mich zu einem sehr wichtigen Meeting verspäte und meine Aufregung im ersten Schritt akzeptiere. Sobald ich erkenne “Oh, ich ärgere mich gerade.”, bin ich schon aus dem Ärger raus. Meine Bauchschmerzen erkenne ich, identifiziere mich aber nicht damit. Mit einer längeren Achtsamkeitspraxis können wir uns zufrieden und glücklich fühlen, selbst wenn schwierige oder schmerzhafte Erfahrungen auftreten. Auch kann Achtsamkeit automatische Verhaltensweisen regulieren, weil achtsame Menschen sich ihrer Verhaltensweisen besser bewusst sind (2).

Das Achtsamkeitstraining kann die Bewältigung von Stressoren im täglichen Leben sowie

in aussergewöhnlichen Situationen, beispielsweise bei schweren Erkrankungen, unterstützen (3). Und genau das möchten wir fördern. Ich bin ein riesiger Fan von der Achtsamkeitspraxis. Um achtsam zu sein, muss man nicht meditieren. Jeder Moment gibt uns die Möglichkeit, achtsam zu sein. Ich zeige dir viele Methoden während den Achtsamkeitswanderungen am 20. Juli und 17. August. Wandern und Achtsamkeit führen aus Stress und führen zu Klarheit und Gelassenheit. Die Achtsamkeits-Wanderungen helfen dir an frischer Luft und durch viel Bewegung zu entschleunigen und im gegenwärtigen Moment anzukommen.

Ich lade dich zu diesen zwei verschiedenen Wanderungen ein, “Peace” und “Deep”: https://www.federleichtcoaching.com/achtsamkeitswanderung-peace und https://www.federleichtcoaching.com/achtsamkeitswanderung-deep.

Du möchtest Achtsamkeit in dein Unternehmen bringen? Gerne können wir auch einen Team-Event organisieren.

Ich freue mich von dir zu hören. Achtsame Grüsse, Jacqueline

E-Mail: jacqueline@federleichtcoaching.com

Webseite: www.federleichtcoaching.com


Literatur

1: Kabat-Zinn, J. (2005). Full catastrophe living: using the wisdom of your body and mind to

face stress, pain, and illness (Delta trade pbk. reissue). New York, N.Y: Delta

Trade Paperbacks.

2: Brown, K. W. & Ryan, R. M. (2003). The benefits of being present: Mindfulness and its

role in psychological well-being. Journal of Personality and Social Psychology,

84(4), 822–848. https://doi.org/10.1037/0022-3514.84.4.822

3: Grossman, P., Niemann, L., Schmidt, S. & Walach, H. (2010). Mindfulness-based stress

reduction and health benefits: a meta-analysis. Focus on Alternative and Complementary

Therapies, 8(4), 500–500. https://doi.org/10.1111/j.2042-

7166.2003.tb04008.x