Heute würde ich dir gerne etwas darüber erzählen, wie positive Emotionen deine Resilienz stärken können. Dieses Thema interessiert mich so sehr, dass ich übrigens auch meine Masterarbeit darüber geschrieben habe 😉

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen mit positiven Emotionen automatisch resilienter sind: „Durch den „Positivity Bias“ zeigt sich ein wichtiger regulatorischer Mechanismus für emotionale Widerstandfähigkeit […].“ (Leppert et al. 2013). Es hat sich also herausgestellt, dass ein wesentlicher Faktor für ein resilientes Selbst eine positive Einstellung ist. Diese erreichen wir meistens schon dadurch, dass wir einfach positiver empfinden. Und um positiv zu empfinden braucht es gar keine wahnsinnig guten Prüfungsergebnisse, keine riesigen Erfolge im Beruf oder allgemein unvergesslich schöne Erlebnisse: du kannst deinem Körper ganz einfach sagen, dass er jetzt glücklich sein soll. Und das möchte ich im Folgenden mit dir teilen.

Ein Dozent in meinem Studium gab mir und meinen Kommilitonen einen eher ausgefallenen Tipp: Wir sollten einen Stift waagerecht in den Mund nehmen. Dadurch, dass unser Mund dann geformt ist als würde er lächeln, denkt unser Gehirn: „Ah, Jacqueline lacht, also muss sie glücklich sein, das heisst, wir müssen Freude empfinden!“ Und dazu schüttet unser Gehirn automatisch Glückshormone wie z.B. Serotonin aus. Übrigens: Nehmen wir den Stift andersherum in den Mund, also mit der Spitze voran, sodass er ein „O“ formt, hält uns unser Gehirn für traurig und schüttet dementsprechend Hormone aus. Aber das natürlich nur am Rande, das wollen wir natürlich nicht erreichen 😉

Sehr inspirierend ist in diesem Zusammenhang auch die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy: „Wir können faken, wie wir uns fühlen!“ Ihre Idee ist es, mit dem Körper für zwei Minuten eine bestimmte Haltung einzunehmen und so unserem Geist einen Streich zu spielen. Du kannst dich z.B. ganz aufrecht hinstellen und deine Arme in die Hüfte stemmen, um dich mutiger und selbstsicherer zu fühlen. Unser Gehirn fühlt sich dadurch nämlich dazu veranlasst, den Cortison-Spiegel, der für Stress verantwortlich ist, zu senken und dafür den Testosteron-Spiegel steigen zu lassen. Eine weitere, von ihr empfohlene Körperhaltung wende ich manchmal selbst vor Kundenmeetings an: Ich stelle mich ebenfalls ganz aufrecht hin und strecke meine Arme ganz weit nach oben, balle vielleicht sogar meine Hände zur Faust. Das ist die Siegeshaltung, die uns ebenso Selbstvertrauen empfinden lässt. Der Körper empfindet dabei so, weil es eine ganz natürliche, automatische und voreingestellte Haltung ist und er dadurch meint, sich in der entsprechenden „Sieges-Situation“ zu befinden. (TED und Amy Cuddy 2012)

Wichtig bei positiven Emotionen ist übrigens nicht die Intensität, also wie stark sie sind, sondern die Quantität. Es braucht, wie ich oben bereits erwähnt habe, nicht unbedingt einen „Glücksrausch“. Es reichen schon ein paar positive Empfindungen. Dazu gehören z.B. Stolz, Zufriedenheit, Liebe, Staunen, Faszination und die Dankbarkeit. Wichtig ist, dass ich immer wieder positive Emotionen empfinde.

Um zurück zum Lachen zu kommen: vor einiger Zeit nahm ich an einem Humor-Kurs teil. Dabei lernte ich, dass wir das Lachen verlernt haben… denn Kinder lachen bis zu 400 Mal am Tag, der Erwachsene kommt jedoch nur auf etwa 20 Lacher täglich. Unsere Humor-Trainerin zeigte uns auch eine Übung, um Situationen im Alltag lustiger zu gestalten: Jeder Einzelne sollte von einer stressigen Situation aus seinem Leben erzählen. Ich persönlich entschied mich für das Mal, als jemand die Pfefferminz-Pflanze, die vor meiner Haustür stand und die ich von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte, einfach entsorgt hat. Nun sollten wir die Geschichte noch einmal erzählen, dieses Mal aber, ohne die Buchstaben „R“ und „S“ zu verwenden. Lies es dir doch gerne auch mal laut vor: „Vo ein paa Tagen hat jemand meine Liebling-Pflanze vo meinem Hau umgewofen, und die ganze Ede und die Amen und Blätte auf dem Boden veteilt.“ Gib‘s zu, du musstest auch ein bisschen schmunzeln 😊 Ich musste bei der Übung sehr viel lachen und konnte die Situation gar nicht mehr ernst nehmen. Es ist also ein toller Weg, um einen spielerischeren, federleichteren Blick auf bestimmte, ärgerliche Situationen (die man meistens sowieso nicht ändern kann) zu erhalten.

Eine schöne Idee sind auch die „Sit & Smile“-Meditationen, die auf der Insel Bali Tradition sind. Dabei sitzt man einfach nur ganz ruhig und mit geschlossenen Augen da und lächelt. Versuch das einmal jeden Morgen nach dem Aufstehen für zwei Minuten zu machen: dein Körper hält dich für fröhlich und gut gelaunt, schüttet die entsprechenden Hormone aus und du startest automatisch mit einem positiven Gefühl in den Tag! Eine prima Methode für Morgenmuffel 😉

Es reicht auch schon, wenn du dich nur ein paar Minuten im Spiegel ansiehst und dich anlächelst. Und du siehst: Ich möchte natürlich nicht, dass ihr sagt: „Ok, mir geht es jetzt total schlecht, aber ich MUSS jetzt unbedingt positiv sein.“ Das würde wahrscheinlich gar nicht funktionieren. Ich möchte dir nur Tipps geben, wie du dich selbst und deinen Körper austricksen kannst. Ich glaube fest daran, dass das funktioniert, die Wissenschaft glaubt auch daran, und ich hoffe, du kannst dieses enorm wertvolle Wissen auch anwenden. Dadurch, dass du mehr positive Emotionen im Leben hast, im Leben fühlst, wirst du automatisch auch resilienter und kannst besser mit Herausforderungen, Krisen und Schicksalsschlägen in deinem Leben umgehen. Ich wünsche dir nur das Beste!

Zum Video gelangst du mit einem Klick auf das Bild:

Literaturverzeichnis

Leppert, Karena; Richter, Felicitas; Strauss, Bernhard (2013): Wie resilient ist die Resilienz? In: PiD - Psychotherapie im Dialog 14 (01), S. 52–55. DOI: 10.1055/s-0033-1337097.

TED; Amy Cuddy (2012): Amy Cuddy: Ihre Körpersprache beeinflusst, wer Sie sind. Hg. v. TED. YouTube. Online verfügbar unter https://www.youtube.com/watch?v=Ks-_Mh1QhMc, zuletzt aktualisiert am 01.10.2012, zuletzt geprüft am 16.07.2019.