In meinem Meditationskurs vor einiger Zeit konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, die ich hier gerne mit dir teilen würde. In dem Kurs durften wir elf Stunden täglich meditieren. Zusätzlich haben wir in diesen 10 Tagen einfach nur geschwiegen, um mit uns selbst in Kontakt zu treten. Ich habe in diesem Meditationskurs nicht nur gelernt zu meditieren, sondern auch eine neue Lebenshaltung erhalten: einer Lebenshaltung zu mehr Leichtigkeit, zu mehr Federleichtigkeit 😉

Denn oft nehmen wir unsere Realität nicht so an, wie sie eigentlich gerade ist. Wir haben einen verzerrten Blick auf die Dinge. Oft möchten wir etwas in unserem Leben haben, das aber gerade nicht da ist. Oder umgekehrt: Es passiert etwas oder wir befinden uns in Situationen, die wir anders haben möchten. In dem Kurs bezeichnete man diese beiden Phänomene als „Aversion“, also Situationen, in denen wir Dinge von uns wegstossen wollen, und als „Craving“, womit Dinge gemeint sind, nach denen wir uns sehnen. Ein Beispiel für „Craving“: Es ist Feierabend, du gehst noch schnell einkaufen für den Wein-Abend mit deinen Freunden, hast wirklich nur zwei oder drei Sachen in der Hand – und musst dich hinter einer riesigen Schlange anstellen. Und dann fängt das Baby im Kinderwagen vor dir auch noch an, aus tiefster Seele zu schreien…alles, woran du noch denken kannst sind Wege, wie du dich vordrängeln könntest, damit du schneller drankommst. Doch genau das ist der Punkt: du kannst es nicht ändern. Du kannst das Kind vor dir nicht dazu bringen, dass es aufhört zu schreien, und genauso wenig wirst du bewirken können, dass du schneller drankommst. Dich jetzt zu ärgern ist nichts weiter als verschwendete Energie!

Ähnlich ist es, wenn du zwar nicht in einer Beziehung lebst, dir aber einen Partner wünschst. Doch dein Traumpartner ist gerade nicht da, und egal wie sehr du es auch willst, es passiert wann es passiert. Das Warten darauf kostet dich nur unnötige Kraft, die du genauso gut in andere Bereiche deines Lebens stecken kannst.

Selbstverständlich heisst das nicht, dass du alles einfach hinnehmen sollst und alles mit dir machen lassen sollst. Es heisst nur, dass du glücklicher bist, wenn du Realitäten, die du einfach nicht ändern kannst, annimmst, weil du dir enorm viel Trauer und Ärger sparen kannst. Ein Kind, das sich auf den Supermarkt-Boden wirft und dort mit Händen und Füssen ringend schreit und tobt, wird seine Eltern auch nicht eher davon überzeugen können, dass sie ihm den Lutscher kaufen, den es will. Es wird vermutlich genau das Gegenteil erreichen und sich nur Ärger einhandeln. 😉

„Aversion“ erlebe ich oft während Meditationen: es ist absolut still im Raum, man hört nicht den leisesten Mucks, und ich fange gerade an ruhig zu werden und absolut konzentriert zu sein…da fängt die Person neben mir an laut zu husten, oder eine andere Person räuspert sich ständig. Jetzt könnte ich mich natürlich furchtbar darüber aufregen und mir den letzten Nerv rauben lassen. Doch stattdessen akzeptiere ich es und arrangiere mich damit, denn auch wenn ich etwas sage, die Person muss dann trotzdem nicht weniger husten.

Etwas, woran ich in diesem Zusammenhang auch sehr oft denken muss, ist eine Situation mit meinem ehemaligen Chef: Wir standen gerade am Bahnhof, da wir mit dem Zug zu einem sehr wichtigen Meeting fahren wollten. Dann kam die Durchsage: „Der Zug XY hat 20 Minuten Verspätung“. Ich ärgerte mich darüber, doch mein Chef meinte nur: „Siehst du Jacqueline, die SBB (Schweizer Bundesbahnen)  haben uns gerade 20 Minuten Zeit geschenkt.“ Das hat mich ganz aus der Fassung gebracht, schliesslich empfand ich ganz anders als er…doch der Gedanke gefiel mir und ich fing ebenso an, die Sache aus einen neuen Blickwinkel zu sehen und kann mich kaum mehr über eine Verspätung der öffentlichen Verkehrsmittel ärgern.

Es gibt natürlich auch Dinge, die du ändern kannst: z.B. kannst du deine Schuhe waschen, wenn sie zu sehr stinken und dich ihr Geruch stört (das solltest du sogar deinen Mitmenschen zuliebe ändern 😉). Sehr oft ist es aber gar nicht so leicht herauszufinden, wie man sich in einer Situation am besten verhält, bzw. zu wissen, wann ich sie zu meinen Gunsten beeinflussen kann. Mir helfen dabei diese drei Schritte:

  1. Ich frage mich, ob ich etwas ändern kann. Ja/Nein?

  2. Ich akzeptiere die Situation so, wie sie ist.

  3. Ich ändere, was es zu ändern gibt, ansonsten ändere ich meine Haltung.

Ich hoffe, dass ich auch dir damit helfen konnte, und dir einen neuen Blickwinkel auf bestimmte Dinge, die passieren, verschaffen konnte. Mich machte diese Sicht auf mein Leben resilienter, denn es half mir im Moment zu leben und ihn auch dankbar zu erfahren. Ich kann es meistens nicht besser machen; aber ich kann so viel daraus mitnehmen wie nur möglich, und das kann mich nur stärker machen.


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